Sich einen Namen aufbauen … wie die Rolling Stones
8. September 2010 – 07:00Sich einen tollen Namen aufbauen – wer wünscht sich das nicht? Die Geschichte der Stones zeigt, wie das funktionieren kann. Die Zutaten sind: Können, ein eigener Stil, Akquise, Ausdauer, Netzwerken, eine gute Story und danach ein gutes Marketing-Management.
Anfang der 60er Jahre saßen Mick Jagger und seine Kumpel in einem dreckigen, ungeheizten Loch irgendwo in London. Sie ernährten sich von Fish ‘n Chips und probten mit klammen Fingern. Kaum ein Mensch wollte sie hören.
Für die Stones sah es überhaupt nicht gut aus. Ihre Verzweiflung erreichte den Höhepunkt als die Beatles 1962 mit “Love me do” ihren ersten großen Erfolg feierten. Die Band aus Liverpool war bereits da, wo die Stones noch hin wollten. Nur keiner wusste, wie das geschehen sollte. Ohne es zu wissen, waren die Stones allerdings schon auf dem richtigen Weg.
Können
So übel die Umstände auch waren: Die Stones hörten nie auf zu proben! Sie waren gut und das wussten sie auch. Ein paar kleinere Auftritte hatten sie bereits. Die Mädchen kreischten wegen Mick Jagger. Die Jungs fanden das gar nicht komisch. Und die Stones mussten deswegen gelegentlich auf Umwegen nach Hause, um nicht verprügelt zu werden.
Ein eigener Stil
Anfang der 60er Jahre entstanden in England unglaublich viele Bands. Alle sahen sich in der Tradition des amerikanischen Blues. Viele gingen an den Start, nur wenige konnten einen wirklich eigenen Stil entwickeln, wie die Beatles oder die Stones. Diese Bands sind aber bis heute bekannt, was zeigt, was ein eigener Stil wert ist.
Akquise und Ausdauer
Mick Jagger lief durch London und sprach in den einschlägigen Clubs vor. “Wir sind eine tolle Band. Sie müssen uns hören.” Dem damals 19-jährigen wurde regelmäßig die Tür vor der Nase zugeschlagen. Ein Club-Besitzer ließ sich schließlich erweichen, wenn auch zögernd. Er ließ die Stones als Ersatz für eine ausgefallene Band spielen. Das war ihre Chance.
Netzwerken
Den ersten Club-Auftritt der Stones erlebten keine zehn Zuhörer. Der Club-Besitzer und spätere Manager erkannte trotzdem ihr Potential. Er nahm jeden einzelnen Zuhörer zur Seite und versprach ihm freien Eintritt, wenn er in der folgenden Woche mit einem Freund wieder kommen würde. Innerhalb von zwei Monaten wurden die Säle voll. Die Leute standen Schlange.
Eine gute Story
Das war natürlich eine richtig gute Geschichte! Man sieht den Club-Besitzer regelrecht vor sich, wie er den Radio-Stationen und Magazinen zuruft: “Das müsst ihr gehört haben. Wenn die Stones spielen, brennt die Luft!”
Gutes Management
Das erste Feuer war entfacht. Nun musste es weiter geschürt werden. Und richtig: Es dauerte nicht lange, da spielten die Stones in den USA. Das war der Startschuss für die weltweite Karriere.
Die Aufstiegsgeschichte der Stones hört sich im Rückblick einfach und folgerichtig an: erst Können und Stil, dann Akquise und Netzwerken und schließlich der große Pressrummel. In der Zusammenarbeit mit Trainern und Beratern erlebe ich aber oft den Versuch, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen. So wollen Trainer unbedingt in die Presse, haben aber weder eine Geschichte noch ein Profil. Doch was soll man der Presse erzählen, wenn es keine Story gibt? “Mich gibt es und ich bin total gut”, reißt einfach keinen vom Hocker. Wer keinen eigenen Stil – oder richtiger – kein eigenes Profil hat, geht in der Menge unter.
Andere investieren viel Zeit und Geld in Weiterbildung. Das ist zunächst eine gute Idee, denn ohne Können geht gar nichts. Allerdings ist das Können alleine kein Erfolgsgarant. Wenn niemand davon weiss, bringt es auch keine Aufträge.
Wieder andere starten einen zögerlichen Akquise-Versuch und geben enttäuscht auf, wenn sie nicht sofort Erfolg haben. Chancen muss man suchen. Glücklicher sind diejenigen, die aus ihrem früheren Berufsleben bereits Kontakte haben und an ein Netzwerk anknüpfen können.
Viele Gründer gehen mit viele Euphorie in die Selbständigkeit und müssen feststellen, dass die Welt nicht auf sie gewartet hat. Die Stones haben es mit Können, Fleiß und Hartnäckigkeit geschafft – ein universeller Tipp auch für andere Branchen.
