Erfolgsmessung
- Kerstin Boll

- 19. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Jan.
Jenseits der Likes: Warum die wertvollsten Kunden oft schweigen.

TL;DR
Likes sind kein Maßstab für Profitabilität: Sichtbarkeit erzeugt zwar flüchtige Aufmerksamkeit, ist aber kein Garant für Vertrauen oder Mandate. Wer auf Popularität optimiert, verliert oft die Rentabilität aus den Augen.
Die Macht der stillen Beobachter: Die wertvollsten B2B-Kunden agieren oft diskret. Sie prüfen deine Expertise im Hintergrund, lange bevor sie den ersten offiziellen Kontakt suchen.
Präzision schlägt Masse: Relevanz zeigt sich in der Passgenauigkeit deiner Kontakte. Ein Erfolgssignal ist nicht die Anzahl der Anfragen, sondern dass Menschen zu dir finden, die dein Weltbild bereits teilen und deine Arbeitsweise verstehen (Content als Filter).
Sogwirkung statt Akquise-Druck: Autorität zeigt sich in der Geschwindigkeit der Entscheidung. Verlässliche Signale für deinen Erfolg sind massiv verkürzte Sales-Zyklen und Gespräche, in denen das Vertrauen bereits vorab geklärt wurde (Content als Beschleuniger).
Stell dir vor, einer deiner Posts geht richtiggehend „viral“. Die Likes schießen in die Höhe, die Kommentare überschlagen sich – doch dein Telefon bleibt stumm. Im krassen Gegensatz dazu: Ein eher sachlicher, vielleicht sogar sperriger Text von dir erhält kaum Resonanz, führt aber zwei Wochen später zu einer gezielten Anfrage für ein hochpreisiges Projekt.
So etwas habe ich selbst schon erlebt. Wir messen Erfolg oft mit den falschen Instrumenten. Das ist die Falle der Sichtbarkeits-Euphorie: Algorithmen belohnen Unterhaltung und Emotionen.
Doch Professional Services wie Beratung oder Coaching basieren auf Vertrauen und Relevanz. Wer seine Strategie allein nach schnellen Reaktionen ausrichtet, optimiert auf Popularität, nicht auf Rentabilität. Das Risiko ist real: Am Ende hast du vielleicht Fans, aber keine Kunden.
Die stille Prüfung: Warum Inbound-Qualität vor Reichweite geht
Warum liken oder kommentieren B2B-Kunden so selten? Es gibt gute Gründe für diese vornehme Zurückhaltung: Einige möchten nicht sofort zum Ziel „gut gemeinter“ Direktnachrichten im Sales-Modus werden. Andere wahren Diskretion vor dem Wettbewerb und haben keine Lust, öffentlich über interne Engpässe zu sprechen.
Deshalb beobachten sie im Stillen. Während sie in deinem Feed unsichtbar bleiben, prüfen sie intensiv deine Relevanz. Sie lesen mit, wägen ab und gleichen deine Thesen mit ihrer Realität ab. Das bringt keine Klicks, aber Mandate.
Eine hohe Inbound-Qualität ist das eigentliche Ziel. Erfolg ist nicht die Menge der Likes, und es ist kein Gewinn, wenn fünfzig unqualifizierte Kontakte deine Zeit stehlen. Erfolg ist, wenn drei Menschen anrufen, die dein Weltbild bereits teilen, dein System verstanden haben und über den Preis nicht mehr verhandeln wollen. Ein Berater braucht keine Masse – er braucht die spezifische Resonanz im richtigen Raum.
Belastbare Indikatoren für deine Autorität
Autorität zeigt sich in der Sogwirkung deines Namens. Wenn du die Rentabilität deines Contents bewerten willst, gibt es Signale, die weit wertvoller sind als jeder Klick.
Kürzere Sales-Zyklen: Wenn der Kunde im Erstgespräch sagt: „Ich lese deine Artikel seit Monaten. Sehr spannend! Ich möchte gerne mit dir arbeiten.“ So lässt sich der Sales Cycle verkürzen.
Referenz-Anfragen: Wenn dich Fachmedien oder Podcast-Hosts anfragen, nicht umgekehrt.
Nachfrage-Tiefe: Wenn Kunden dich nach deiner Meinung fragen, weil sie deiner Urteilskraft blind vertrauen.
Das Dashboard für Navigatoren: Vorauslaufende Erfolgssignale
Content zu erstellen, ohne unmittelbare Resonanz zu sehen, kann anstrengend sein. Deshalb profitierst du von einem Controlling, das dich bestärkt, bis die ersten Mandate eintreffen. Achte auf die Signale, die deinem geschäftlichen Erfolg zeitlich vorauslaufen:
Die Speicher-Rate: Likes sind oft nur flüchtiger Applaus. Wichtiger ist, dass deine Posts gespeichert werden. Das ist das digitale Äquivalent zum Eselsohr im Fachbuch – ein klares Signal für hohen Nutzwert und Relevanz.
Newsletter-Wachstum: Abonnenten geben dir die Erlaubnis, dauerhaft in ihrem Postfach präsent zu sein. Das ist eine deutlich höhere Währung als ein flüchtiger Kontakt in einem algorithmisch gesteuerten Feed.
Der Qualitäts-Index: Wie oft sagen Interessenten konkret: „Ich lese seit einer Weile mit“? Auch wenn diese Personen nie gelikt haben, ist das der Beweis für deine Wirkung im Stillen.
Die Referenz-Quote: Erfährst du davon, dass deine Beiträge in internen Gremien geteilt oder per E-Mail weitergeleitet wurden? Diese Form der direkten Weiterempfehlung ist die eigentliche Währung in der B2B-Akquise.
Diese Indikatoren beweisen, dass dein Zinseszins bereits arbeitet. Sie führen zur Abschluss-Effizienz: Die Zeit vom Erstkontakt bis zur Unterschrift verringert sich, weil das Vertrauen durch deine Beständigkeit bereits vorab aufgebaut wurde.
Erfolg auf dem Konto und im Kopf
Der ultimative Beweis für wirksamen Content ist nicht der Applaus im Feed, sondern die Qualität der Menschen, die mit dir arbeiten wollen.
Zum Abschluss dieser Serie stelle ich dir eine hypothetische, aber klärende Frage: Würdest du deinen Content auch dann weiter produzieren, wenn es den Like-Button gar nicht gäbe – solange sich deine Sales-Zyklen dadurch halbieren?
Autorität ist kein Ziel, das man mit einem Tool „erledigt“. Sie ist die logische Konsequenz aus allem, was wir besprochen haben: Klarheit, Kante, System und Beständigkeit. Ich wünsche dir die Souveränität, genau diesen Weg zu gehen.
In diesem Sinne: Bleib standhaft!
„Das wichtigste Indiz für deinen Erfolg ist die Qualität der Anfragen: Werden die Interessenten passgenauer?
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FAQ – Häufige Fragen zum Artikel
Warum führen virale Posts oft zu keinen neuen Mandaten?
Weil Algorithmen stark auf Unterhaltung und Emotionen reagieren, Berater-Mandate aber auf Vertrauen und Relevanz basieren. Reichweite zieht oft ein Publikum an, das konsumieren, aber nicht investieren möchte. Relevanz hingegen zieht die Menschen an, die ein spezifisches Problem lösen wollen.
Wieso kommentieren meine wertvollsten Kunden nie?
B2B-Entscheider wahren oft Diskretion. Sie möchten ihre Herausforderungen nicht öffentlich diskutieren oder sich dem unmittelbaren Akquise-Druck entziehen, der oft auf einen Kommentar folgt. Ihr Schweigen ist kein Desinteresse, sondern eine stille Prüfung deiner Substanz.
Welche Kennzahlen sind wichtiger als Likes?
Achte auf die Speicher-Rate deiner Beiträge und das Wachstum deines Newsletters. Diese Signale stehen für Nutzwert und die Erlaubnis zur dauerhaften Begleitung. Das wichtigste Indiz ist jedoch die Qualität der Anfragen: Werden die Interessenten passgenauer?
Wie erkenne ich, dass mein Content den Vertrieb unterstützt?
Wenn die „Warum-Sie“-Frage im Erstgespräch entfällt. Wenn Interessenten deine Thesen bereits kennen und der Sales-Zyklus zur reinen Klärung der Rahmenbedingungen schrumpft, hat dein Content die Vorarbeit geleistet.
Ist Content-Marketing ohne Like-Button überhaupt sinnvoll?
Ja, denn das Ziel ist nicht der Applaus, sondern die strategische Ruhe im Vertrieb. Wenn sich deine Verkaufsphasen halbieren und die Qualität der Mandate steigt, ist das Ziel erreicht – völlig ungeachtet der öffentlichen Resonanz.


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