Warum KI-Texte dein ERP-Softwarehaus austauschbar machen
- Kerstin Boll

- 6. Aug.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Aug.
KI-Textwerkzeuge greifen auf das zurück, was in der Branche üblich ist. Bei ERP-Software heißt das: flexibel, skalierbar, anpassungsfähig, In fast jedem Text derselbe Dreiklang. Was KI nicht liefert, ist die Antwort auf die eine Frage, die für Kunden zählt: Warum sollten sie sich ausgerechnet für dich entscheiden, wenn es so viele mögliche Lösungen gibt?

Was macht generische KI-Texte für ERP-Anbieter zum Problem?
Die immer gleichen Lösungen werden vielfach diskutiert. Doch das Problem liegt tiefer. KI zeigt den Standard nicht nur beim Formulieren, sie zeigt ihn auch beim Inhalt: Was man über ERP-Software eben so denkt. Deine Stärken, die Gründe, warum ein Kunde ausgerechnet dich wählen sollte, kommen darin nicht vor.
Versetz dich in die Lage deines Kunden: Er hat die Wahl zwischen vielen Anbietern und will eine klare Antwort. Aus sich heraus liefert KI sie nicht.
Wie fühlt sich Austauschbarkeit an, wenn man als Kunde davor steht?
Ich stehe oben an der Rolltreppe zur Halle 4 der CeBIT und schaue herrunter. Unter mir die ERP-Anbieter, Stand an Stand. Ich lese die Banner: flexibel, skalierbar, anpassungsfähig. Wieder flexibel. Durch die Bank. Alle.
Als Besucherin bleiben mir zwei Wege. Entweder ich wende mich gelangweilt ab. Oder ich gehe zu den Ständen, die mir irgendwie sympathisch sind, die auf den ersten Blick etwas hermachen. Mit der Passung zu meinem Geschäft hat das nichts zu tun. Mit der Qualität der Software oder des Service auch nicht.
Genau das passiert, wenn KI die Texte für ERP-Anbieter schreibt: Sie liefert weder die Präzision noch die Individualität, die es braucht, damit sich ein Kunde für dich entscheidet.
Warum reicht die Frage "Was macht dich besonders?" nicht aus?
Ich arbeite mein ganzes Berufsleben lang mit kleinen Einheiten, mit Inhaberinnen und Inhabern, die ihr Unternehmen selbst gegründet haben. Wenn ich frage, was ihre Firma besonders macht, überfordert das mein Gegenüber oft. Die gute Antwort gibt es, sie ist nur nie in Worte gefasst worden. Ein Unternehmen wächst, entwickelt sich, die Gründerin oder der Gründer trifft tausend kleine Entscheidungen unterwegs. Was das Unternehmen besonders macht, bleibt implizit. So präzise hat bisher niemand danach gefragt.
Wie findest du heraus, was dich wirklich unterscheidet?
Ich mache gute Erfahrungen mit Interviews. Ich spreche mit meinen Gesprächspartnern und zeichne das Gespräch auf. Mich interessieren echte Projekte: wie die Zusammenarbeit mit einem bestimmten Kunden lief, wie es den Beteiligten dabei ging, was sich für den Kunden am Ende geändert hat. Aus solchen Erzählungen entsteht ein Bild, das kein Fragebogen liefert.
Besonders aufschlussreich sind Fragen nach Entscheidungen: Was passiert, wenn es in einem Projekt schwierig wird? Auf was würde sich mein Gesprächspartner niemals einlassen?
Fragen wie diese, erzählen mehr über die Werte eines Unternehmens als die direkte Frage. Frage ich positiv, wofür jemand steht, kommt mit ziemlicher Sicherheit: hohe Qualität, Kundenfreundlichkeit. Zwei Begriffe, die in der Branche fast jeder für sich beansprucht und die deshalb nichts unterscheiden. Die Art, wie tatsächlich entschieden wird, lässt sich dagegen nicht kopieren.
Welche Rolle spielt KI bei der Auswertung der Interviews?
Nach dem Gespräch lasse ich mir aus der Transkription Muster herausarbeiten: welches Thema immer wieder auftaucht, wo der Schwerpunkt meines Gesprächspartners liegt, welche Formulierung öfter als einmal fällt.
Das spart Zeit beim Sichten des Gesprächsmaterials. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst das Gespräch, dann die Auswertung. KI bekommt etwas Konkretes zum Arbeiten, statt aus dem Nichts zu formulieren. Darin liegt der Unterschied zu den generischen ERP-Texten vom Anfang.
Wie bekommt dein nächster Interessent endlich die Antwort, die er sucht?
Die Interviews machen explizit, was in deinem Unternehmen längst da ist. Daraus lässt sich ein System bauen: Kriterien, wie du dich darstellen willst, eine wiedererkennbare Sprache, ein Blick, der zu dir passt und nicht zur ganzen Halle 4. Das ist zugleich der Auftakt, um Aufgaben abzugeben. Dein*e Ansprechpartner*in im Haus kann mit diesem Material weiterarbeiten, auch wenn du gerade beim Kunden bist statt am Schreibtisch. Und dein nächster Interessent bekommt eine Antwort auf die Frage, die ihn wirklich umtreibt: warum du.
Wann hast du zuletzt jemanden aus deinem Team gefragt, wie eine schwierige Entscheidung im letzten Kundenprojekt gefallen ist?
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich KI trotzdem für ERP-Content nutzen?
Ja, an zwei Stellen sogar sinnvoll. Zum Auswerten von Interviews, um Muster und Schwerpunkte herauszuarbeiten, und zum Formulieren, sobald konkretes Material wie Interviews und echte Projektbeispiele vorliegen. Ohne dieses Material greift sie auf den Branchenstandard zurück.
Reicht ein Interview für die ganze Content-Strategie?
Ein Interview liefert den Rohstoff, nicht die fertige Strategie. Aus den Ergebnissen entsteht im nächsten Schritt ein System aus Themen, Sprache und Kriterien, mit dem dein Team weiterarbeiten kann.


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