Zuhören in den Social Media

28. Juli 2010 – 07:00

“Zuhören” ist ein weiteres Schlagwort, das spätestens auf Seite drei eines jeden Social Media-Ratgebers zu finden ist. Man solle erst zuhören, bevor man mitredet, heisst es da stets. In jedem anderen Netzwerk quatscht man ja auch nicht einfach dazwischen, sondern nimmt erst einmal Themen, Stimmung und Kultur auf.

So weit leuchtet das jedem ein. Was aber, wenn im Netz gar nichts zu hören ist?

Ich habe mir einen Beispielfall ausgedacht. Ich möchte Seminare für Assistenz/Office Management/Sekretariat anbieten. Und ich will wissen, worüber die Leute reden? Was sind ihre Motive?

  • Zuerst habe ich mir die Netzwerke vorgenommen: Xing und Facebook
    Dort gibt es zwar passende Gruppen. Aber die laufen nicht. Hier lässt sich vor allem studieren, was NICHT funktioniert.
  • Dann habe ich mir verschiedene Google Tools angesehen: Wunderrad, Insights for Search und das AdWords Keyword Tool. Diese Werkzeuge bilden ab, wie Leute tatsächlich suchen. Was ich gefunden habe sind Begriffe rund um die Suche nach einem neuen Job oder Suchanfragen nach Seminaren.

Ich weiss also, dass sich Menschen für Excel- und Power Point-Kurse interessieren. Ich weiß aber nicht, weshalb sie das tun. Wollen sie

  • ihre Karriere selbst in die Hand nehmen. Geht es um Autonomie?
  • ihre berufliche Zukunft sichern? Dann ist es eher Existenzangst.
  • oder suchen sie einfach ein preiswertes Seminar, das sie selbst bezahlen, weil ihnen der Bewilligungsmarathon zu dumm ist. Dann haben wir es mit Bequemlichkeit zu tun.
  • oder gibt es noch andere Motive?

Die Motive sind wichtig, weil sie es sind, die die Menschen von Herzen beschäftigen und überhaupt erst zum Reden bringen. Tipps rund um Excel sind praktisch. Mehr aber auch nicht.

Die Tatsache, dass meine Zielgruppe zumindest zur Zeit noch nicht redet, heißt aber nicht, dass sie nicht im Netz anwesend ist. Wahrscheinlicher ist, dass sie zu der großen Zahl der schweigenden Leser zählt. Selbst Führungskräfte sind ja nicht allzu redselig. Und auch sonst gilt: Nur 14 Prozent aller Internet-Nutzer sollen aktiv kommunizierende, gestaltende Social Networker sein. Je älter die Nutzer, umso größer ist die Zurückhaltung.

Deshalb führt der Weg zunächst wieder in die Offline-Welt. Natürlich gibt es eine ganze Reihe gut eingeführter Publikationen und Ratgeber für Assistenten und Office Manager. Da würde ich zuerst nachsehen und natürlich direkte Gespräche führen. Möglicherweise existieren schon längst brandheiße Themen, an die man im Netz anknüpfen kann. Das gilt es herauszufinden.

Wenn es so weit ist, geht’s wieder zurück zu Schritt 1: Zuhören im Netz.

Mir hat dazu der Artikel von Jason Falls gefallen: Wer sagt was, wann, wo, wie und warum: Die fünf W’s im Social Media Listening.

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