Angst vor öffentlicher Kritik ist ein wichtiges Motiv, wenn sich Unternehmen gegen Social Media Marketing entscheiden. Richtig ist: Kunden oder Leser können ungehindert ihre Meinung ins Netz stellen und die ist nicht immer positiv.
Ist jedoch jede Kritik bereits eine Katastrophe? Klicken Sie doch einmal diesen Link bei Amazon an: “Social Media Marketing” von Tamar Weinberg. Unter den Kommentaren finden Sie viele positive, aber auch ein paar kritische Stimmen.
Wie wirken die Kommentare auf Sie? Haben Sie das Gefühl, es handele sich um ein schlechtes Buch?
Ich erlebe das so:
Die kritischen Kommentare waren für mich kein Grund, das Buch nicht zu kaufen. Vielmehr geben sie mir ein Gefühl dafür, was ich von dem Titel erwarten kann. Sie helfen mir, eine Entscheidung zu treffen. Nur positive Stimmen geben mir keine Orientierung.
Unzufriedene Kunden – was jetzt?
Was aber tun, wenn sich ein Kunde wirklich abwertend äußert?
Kunden, die sich ärgern, wollen gehört werden. Sie wollen eine Lösung. Gehen Sie also auf den Kunden zu und bieten ihm eine Lösung an. Handeln Sie schnell und lösen Sie Ihr Versprechen zuverlässig ein. Die Chancen stehen gut, dass sich Ihr Kritiker in einen echten Fan verwandelt.
Sollten Sie vertriebsnah arbeiten, ist der Zusammenhang für Sie ein alter Hut. In der Online-Welt gilt er weiterhin. Es gibt jedoch einen brisanten Unterschied: Wenn Sie nicht reagieren, bleibt die Kritik auf Dauer im Netz. Deshalb ist es eine gute Idee, auf jeden Fall ein Monitoring einzurichten, zum Beispiel einen Google Alert oder RSS-Abfragen. Sie können nicht verhindern, dass Kunden von Ihnen sprechen. Aber Sie sollten davon wissen.
Was steht zwischen den Zeilen?
Vielleicht kommunizieren Sie Botschaften, die Ihnen gar nicht bewusst sind? Ihre Veröffentlichungen erzählen stets davon, wie Sie denken – natürlich wird dabei auch ein Teil Ihres Wesens offenbar. Das ist ja der Witz an der Sache.
Ihre Haltung schlägt sich also in Ihrer Sprache nieder – auch unangenehme Züge. Überlegen Sie sich deshalb besser genau, was Sie schreiben wollen: Über Sachthemen? Neue Entwicklungen Ihres Fachs? Über eigene Erfahrungen? Ihre Meinung? Über groben Unfug in Ihrer Zunft?
Manchmal gerät Kommunikation trotz bester Absichten auf Abwege:
- Ein Netzwerker hatte im letzten Winter mehrfach hintereinander sein Büro wegen Erkältungskrankheiten geschlossen. Jedes Mal stellte er eine Meldung ins Netz. Sicher wollte er verhindern, dass Kunden und Interessenten unnütz bei ihm anrufen. Er dachte an Service. Dass er öfter wegen Krankheit ausfällt, wurde allerdings auch deutlich. Ob ihm das bewusst war?
- Wer laufend wegen neuer Kunden und Vorträge durch die Welt reist, ist viel beschäftigt und muss – ergo – ein guter Typ sein, oder? Doch es ist gefährlich, selbst von seinen Erfolgen zu erzählen. Die Kommunikation wirkt unangenehm ich-bezogen. Wenn Ihre Kunden und Partner von Ihren guten Leistungen und Ihrem Erfolg erzählen, ist das eine super Sache. Verweisen Sie gerne auf solche wertvollen Referenzen. Aber schreiben Sie nicht selbst darüber, wie toll Sie sind. Eigenlob stinkt.
- Manche Netzwerker sind ein bisschen zu schüchtern. Aus Sorge, zu werblich zu wirken, schreiben sie überwiegend von Kaffee, Sonne und Köstlichkeiten. Das muss nun auch wieder nicht sein. Von der Arbeit zu erzählen – was Sie beschäftigt und begeistert – ist das noch lange nicht Werbung. Sondern interessant und womöglich wichtig für Ihre Leser.
Was ist Ihnen aufgefallen – kennen Sie Beispiele von unbeabsichtigen Botschaften?