Privat im Netz

14. Juli 2010 – 07:00

Social Media bergen so ihre Gefahren. Das wissen wir ja. Aber was genau ist bitteschön gefährlich? Die Internet-Welt entwickelt sich so rasant, dass Nutzer schnell den Überblick verlieren.

Vor ein paar Tagen habe ich über die Risiken in den Social Media für Unternehmen geschrieben. Heute geht es um die Risiken für Privatpersonen. Für Trainer und Berater finde ich beides wichtig, weil sich berufliches und privates Leben vermischen.

Im Wesentlichen gibt es drei Datenquellen für private Daten:

  • Persönliche Angaben und Einstellungen in Social Media

Dieser Punkt ist für jedermann offensichtlich: Anhand der Angaben und Einstellungen bestimme ich, welche Daten ich preisgebe und welche nicht.

Schwierig ist es nur, wenn die Optionen für die persönlichen Einstellungen so unübersichtlich sind, dass der Benutzer nicht mehr durchblickt. Facebook gerät in diesem Punkt immer wieder in die Diskussion.

Ein anderes Problem liegt darin, dass die Benutzer nur in den seltensten Fällen wissen, was aus ihren Daten herauszulesen ist. Was ist zum Beispiel schlimm daran, das Geburtsjahr, Lieblingsbücher und den familiären Status zu veröffentlichen? Welche Informationen von mir sind im Netz verstreut?

Das Dumme ist: Veröffentlichte Informationen bleiben im Netz. Und was sich heute noch nicht auswerten lässt, das gelingt vielleicht in Zukunft. Die Chancen stehen gut, denn auf dem Gebiet wird eifrig geforscht. Michael Seemann schreibt dazu in seinem Artikel “Archäologie der Zukunft Vom unvermeidlichen Kontrollverlust im Web 2.0″.

  • Bewegungsdaten

Da sitzt man so schön kuschelig auf dem Sofa, surft herum, fühlt sich ganz privat. Fehler! Unser Surfverhalten wird gespeichert und lässt sich auswerten. Es offenbart, womit wir uns beschäftigen, was wir fürchten oder mögen!

Viele Nutzer “reden” mit Google offenherziger als mit ihrem Partner. Und Google merkt sich das. Was, das erfahren Sie im Google-Datenschutzcenter unter “Manager für Anzeigeneinstellungen” und “Ihre Interessen”. Mehr dazu lesen Sie unter “Fast alle Browser sind eindeutig identifizierbar”.

Immerhin haben Sie bei Google die Möglichkeit einzugreifen. Anders bei Facebook. Bei jedem Besuch werden Werbeanzeigen eingeblendet. Und mit jedem Klick darauf füttern Sie Facebook mit Informationen darüber, was Sie mögen oder bewegt.

Sie haben es schon immer gewusst: Alles schlecht im Internet? Dann passen Sie gut auf Ihr Handy auf. Es könnte nämlich sein, dass Ihr Handy Ihr Verhalten mit Geodaten kombiniert. Nach einer Studie lässt sich außerdem aus Ihren Verbindungsdaten der vergangenen drei Monate Ihr Mobilitätsverhalten zu 80 Prozent vorhersagen.

  • Daten von Dritten

sind Informationen, die Fremde ins Netz stellen, oder solche, die Plattform-Anbieter (plötzlich) freigeben, weil sie ihre Bestimmungen geändert haben. Für den persönlichen Schutz “Marke Eigenbau” eignen sich die bereist erwähnten RSS-Feeds und Google-Alerts.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich bin kein Internet-Hasser. Aber jeder sollte wissen, worauf er sich einlässt. Für mich steht außer Frage, dass ich im Netz aktiv bin. Die öffentlichen Diskussionen verlagern sich mehr und mehr ins Netz – und wenn ich nicht mitmache, bin ich eben nicht existent. Der Tod eines jeden Selbständigen.

Ich wünschte mir Unterstützung von berufener Stelle. Auf der Seite des Datenschutzbeauftragten Hamburg habe ich allerdings nur einen Ratgeber von 2008 (!!) gefunden. Der hilft uns heute leider nicht mehr.

Wenn Sie einen wirklich guten Ratgeber zum Persönlichkeitsschutz im Internet finden, freue ich mich sehr über Nachrichten. Gerne würde ich eine Hilfestellung anbieten, habe aber keinen aktuellen, lesbaren, pragmatischen, nicht-dogmatischen Leitfaden gefunden.

Nachtrag vom 23.7.2010: Jetzt habe ich doch noch etwas gefunden: Sicherheit in Community und Social Network von Sascha Borowski.

  1. Ein Kommentar zu “Privat im Netz”

  2. Hallo Kerstin,

    klasse, dass Du das Thema mal ansprichst, denn leider habe ich so einen Leitfaden auch noch nicht finden können. Trotz aller Internet-Affinität, die mich seit Anfang der ’80er Jahre online treibt, möchte ich nicht ‘gläsern’ sein. Darum blieb ich selbst als Freiberuflern etliche Jahre “verdeckt”. Doch auch damit war ich ständig unzufrieden.

    Unterstützung bei dieser Gratwanderung und mehr Schutz- und ‘Radier’-Mechanismen für Daten und Datenmüll im Netz ist dringend nötig!

    Der Schutz des Einzelnen sollte online genauso selbstverständlich sein, wie er es offline ist. Dies sollte durch staatliche Instanzen ähnlich voran getrieben werden, wie außerhalb des Netzes.

    Hoffnungsfroher Gruß,
    Christine

    geschrieben von Christine S. Hartmann am 16. Jul, 2010

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